Mietenwatch Eberswalde

Inspiriert von Berliner „Mietenwatch“-Projekt haben wir innerhalb der letzten zwei Jahre das ganz dicke Brett gebohrt, denn die Frage, wie es eigentlich mit der Entwicklung der Mieten so aussieht – abseits von anekdotischen und persönlichen Erfahrungen – ist eine die uns immer wieder umtreibt.

Deshalb haben wir uns entschlossen unsere Fragen mit harten Daten zu beantworten. Dafür haben wir von September 2019 bis Februar 2021 insgesamt 236 Annoncen für Eberswalde auf der Plattform immoscout.de zusammengetragen, ausgewertet und können nun präsentieren: Mietenwatch Eberswalde – Edition 2019 bis 2021!

Der ganzen Bericht, inklusive des zu Grunde liegenenden Tabellendokuments hängen wir zum herunterladen an diesen Post an.
Was folgern wir aus unserem Bericht? Nun, wir wollen nicht spoilern und freuen uns, wenn ihr ihn selbst lest..zumindest die letzten Seiten ;)…trotzdem hier einige Gedanken dazu:

Geht die Entwicklung so weiter wie bisher, werden auch in Eberswalde Kaltmieten ab 7 bis hin zu 9€ pro qm² schnell die Norm werden, denn vor allem in Stadtmitte ist die potentielle „Ertragslücke“ für Vermieter*innen groß. Ein höherer Druck auf Mieter*innen ist die logische Folge. Spätestens, wenn der neue Mietspiegel Realität wird, wird die Mietkostenbelastung aller Eberswalder Haushalte deutlich ansteigen. Schon jetzt ist es für einige gesellschaftliche Gruppen (Alleinerziehende, Familien mit geringem Einkommen, Familien mit zwei oder mehr Kinder, Bezieher*innen von Sozialhilfe) schwierig bis unmöglich in Stadtmitte und teils auch in Westend eine neue, leistbare und passende Wohnung zu finden. Diese Menschen werden immer stärker gezwungen sein, nach Finow oder ins Brandenburgische Viertel zu ziehen. Solche sozialen Entmischungsprozesse sind ein ernstes stadtpolitisches und gesellschaftliches Problem. Wer Berliner Quadratmeterpreise gewöhnt ist, für den oder die erscheinen Angebote jenseits der acht, neun, zehn Euro pro Quadratmeter bezahlbar – diese Haltung führt allerdings zur Verdrängung von Menschen aus Quartieren, in denen sie teils schon Jahrzehnte leben. Wir stellen uns keineswegs gegen jede Form der Veränderung und begreifen eine Stadt auch nicht als statisches Gebilde, dessen „Ursprungszustand“ erhalten werden müsste. Wir fordern lediglich, dass bei aller dynamischen Entwicklung, die mögliche Entstehung eines „Gentrifizierungs-Kiez“ Stadtmitte ein abschreckendes Bild der Stadtentwicklung bleiben muss.

Eine Stadt lebt von der Begegnung unterschiedlichster Menschen, vom sozialen Austausch über (wahrgenommene) Grenzen hinweg. Nur so wird sie von einem funktionellen Ort (dort wo ich wohne) zu einem sozialen Ort (dort wo ich lebe). Nur so kann ein gemeinsames Gefühl von Stadtgesellschaft entstehen, dass wir in diesen herausfordernden Zeiten so dringend benötigen. Deswegen rufen wir dazu auf, dass die Eberswalder Stadtentwicklung genau diese Werte – Diversität, Austausch, Begegnung, Öffentlichkeit, Beziehung, Gemeinschaftlichkeit – schützt und fördert!





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